Was SkinnyTok mit uns macht und warum wir die Körper anderer nicht kommentieren sollten

„Du siehst aber nicht mehr so gesund aus.“ „Hat sie zugenommen?“

Es sind Sätze, die beiläufig fallen. Beim Abendessen, unter Freunden oder in den Kommentaren auf Instagram. Oft gut gemeint, manchmal neugierig, selten wirklich hinterfragt. Doch seit wann ist es eigentlich selbstverständlich, den Körper eines anderen Menschen zu bewerten?

Während sich Schönheitsideale immer schneller verändern, bleibt eines erstaunlich konstant: unser Drang, das Aussehen anderer zu kommentieren. Mit Trends wie SkinnyTok bekommt diese Entwicklung eine neue, besorgniserregende Dimension.

Was steckt hinter SkinnyTok?

Lange schien es, als hätte die Body-Positivity-Bewegung ein neues Körperbewusstsein geschaffen. Unterschiedliche Körperformen wurden sichtbarer, unrealistische Schönheitsideale zunehmend hinterfragt. Doch mit SkinnyTok erlebt ein längst bekanntes Ideal ein digitales Comeback: möglichst schlank zu sein.

Unter dem Begriff verbreiten sich auf TikTok Inhalte, die besonders dünne Körper idealisieren und Gewichtsverlust als persönlichen Erfolg darstellen. Was zunächst wie Motivation oder ein harmloser Einblick in den Alltag erscheint, kann schnell zum Maßstab für andere werden.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass hinter diesen Profilen Menschen mit eigenen Unsicherheiten stehen. Manche haben möglicherweise selbst mit gesellschaftlichen Erwartungen oder ihrem Körperbild zu kämpfen. Wenn aus einem bestimmten Schönheitsideal schließlich Reichweite, Aufmerksamkeit oder sogar ein Geschäftsmodell entsteht, verschwimmen die Grenzen zwischen persönlicher Überzeugung und Vermarktung.

Warum wir Körper bewerten und selbst Komplimente verletzen können

Menschen vergleichen sich seit jeher. Wir orientieren uns an unserem Umfeld, übernehmen gesellschaftliche Vorstellungen von Schönheit und entwickeln daraus Erwartungen an uns selbst. Durch soziale Medien begegnen uns diese Ideale heute nahezu ununterbrochen.

Das verändert nicht nur unseren Blick in den Spiegel, sondern auch die Art, wie wir andere wahrnehmen. Eine Gewichtsveränderung wird zum Gesprächsthema, eine vermeintliche Unvollkommenheit zum Anlass für Kommentare.

Dabei braucht es nicht einmal eine böse Absicht, um jemanden zu verletzen.

„Du hast aber toll abgenommen!“ klingt zunächst nach einem Kompliment. Doch was wissen wir eigentlich über die Person, der wir diesen Satz sagen? Vielleicht steckt hinter der Veränderung eine Erkrankung, eine belastende Lebensphase oder eine Essstörung. Was als Anerkennung gedacht ist, kann unbewusst vermitteln, dass der Körper vorher weniger schön gewesen sei.

Drei Dinge, die helfen können, wenn jemand Euren Körper kommentiert

1. Grenzen setzen, ohne sich rechtfertigen zu müssen

Ein einfaches „Lass uns bitte nicht über meinen Körper sprechen“ oder „Ich möchte nicht, dass mein Aussehen kommentiert wird“ reicht vollkommen aus. Ihr müsst Euch dafür weder erklären noch rechtfertigen.

2. Löschen, blockieren und den eigenen digitalen Raum schützen

Euer Handy, Euer Profil, Eure Entscheidung. Ihr müsst weder verletzende Kommentare stehen lassen noch unangenehme Nachrichten beantworten. Auch das Entfolgen von Profilen, die ständig Selbstzweifel auslösen, kann guttun.

3. Unterstützung annehmen, wenn es zu viel wird

Manche Aussagen bleiben länger im Kopf, als uns lieb ist. Wenn Kommentare über Euren Körper Euch belasten, traut Euch, das auszusprechen. Ein offenes Gespräch mit einer nahestehenden Person hilft dabei, diese Gedanken nicht allein mit sich herumzutragen.

Alles ist nur so lange schön, wie es im Trend ist

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Trends verändern. Was gestern als erstrebenswert galt, wird morgen möglicherweise schon wieder infrage gestellt. Und trotzdem versuchen wir immer wieder, neuen Erwartungen gerecht zu werden.

Was wäre, wenn wir damit aufhören? Wenn wir unseren Körper nicht mehr als ständiges Projekt betrachten, das verbessert, bewertet oder mit anderen verglichen werden muss?

Er muss auch nicht jeden Tag geliebt werden. Manchmal reicht es, ihn zu akzeptieren, ohne das eigene Selbstwertgefühl von seinem Aussehen abhängig zu machen. Und genau diese Freiheit sollten wir auch anderen zugestehen. Denn nur weil ein Körper sichtbar ist, steht er noch lange nicht zur Bewertung frei.

SkinnyTok erklärt von Toleranz im Netz